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Trifft mentale Gewalt Frauen und Männer gleich oft?

Über fünf Jahre gerechnet fast. 23,8 Prozent der Frauen und 23,3 Prozent der Männer berichten von psychischer Gewalt durch eine Partnerin oder einen Partner. Ein halber Prozentpunkt liegt dazwischen.

Diese Zahl wird von beiden Seiten der Debatte zitiert, und beide hören danach auf zu lesen. Die Studie hört nicht auf. Sie stellt zwei weitere Fragen: wie oft es passiert und wie schwer es wiegt. Dort gehen die Werte auseinander.

Quelle für alle Zahlen ohne eigenen Beleg: Dunkelfeldstudie LeSuBiA des Bundeskriminalamts, Februar 2026, rund 15.000 Befragte.


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Nicht jeder Streit ist Gewalt

Die Istanbul-Konvention, von Deutschland ratifiziert, nennt psychische Gewalt in Artikel 33 ein vorsätzliches Verhalten, das die psychische Unversehrtheit einer Person durch Nötigung oder Drohung ernsthaft beeinträchtigt.

Zwei Wörter darin ziehen die Grenze. Verhalten meint ein Muster über einen Zeitraum, nicht einen schlechten Abend; der Erläuternde Bericht stellt das ausdrücklich klar. Und Nötigung meint einen Zweck: jemanden zu etwas bringen.

Diese Abgrenzung ist kein Kleinreden. Sie ist der Grund, warum der Begriff überhaupt etwas wert ist. Wenn jeder verletzende Satz Gewalt heißt, hat die Person, deren Alltag seit Jahren fremdbestimmt wird, kein Wort mehr für ihre Lage.

Im Alltag heißt das meistens anders. Wer sucht, sucht nach toxischer Beziehung, und oft ist dasselbe gemeint. Der Begriff hat nur keine Definition, keine Schwelle und keine Zahlen hinter sich, und er beurteilt eine Beziehung als Ganzes statt ein Verhalten. Dieser Text bleibt deshalb bei psychischer Gewalt.

Zwangskontrolle

Der Soziologe Evan Stark hat für die schwerere Form den Begriff geprägt, der sie am besten trifft: coercive control, Zwangskontrolle. Er nennt sie ein Freiheitsdelikt. Nicht die Lautstärke einzelner Szenen macht sie aus, sondern der schrumpfende Spielraum: wen man sieht, wohin man geht, worüber man verfügt.

Das erklärt, warum sie von außen so schwer zu erkennen ist. Kein einzelner Vorgang sieht schlimm aus. Die Summe ist das Delikt.

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Drei Fragen an dieselben Daten

Im Februar 2026 hat das Bundeskriminalamt die bislang größte deutsche Dunkelfeldstudie zu Gewalt veröffentlicht. Sie erlaubt zum ersten Mal einen sauberen Vergleich zwischen den Geschlechtern, weil sie nicht nur zählt, wie viele betroffen sind, sondern auch, wie oft und wie schwer.

Männer

23,3 %

berichten psychische Gewalt durch eine Partnerin oder einen Partner in den letzten fünf Jahren.

Frauen

23,8 %

berichten dasselbe. Über das ganze Leben gerechnet geht die Schere auf: 48,7 zu 40,0 Prozent.

Der Befund: dieselben Daten, drei Fragen
Frage Männer Frauen Unterschied
Wie viele sind betroffen?Psychische Gewalt, Anteil in Prozent 23,3 % 23,8 % Faktor 1,0
Wie oft passiert es?Emotionale Gewalt, Fälle je 1.000 Personen 1.366 2.183 Faktor 1,6
Wie viel Angst dabei?Emotionale Gewalt, Skala von 1 bis 7 2,2 3,5 Faktor 1,6

Jede Zeile hat ihren eigenen Maßstab, die Angstskala beginnt bei 1. Die drei Fragen im Einzelnen folgen.

Erste Frage: Wie viele sind betroffen?

Anteil mit mindestens einem Vorfall in fünf Jahren
Form der psychischen Gewalt Männer Frauen Unterschied
Emotionale Gewalt 17,9 % 20,2 % Faktor 1,1
Kontrollierende Gewalt1 8,7 % 7,1 % Faktor 1,2
Ökonomische Gewalt 5,5 % 6,6 % Faktor 1,2
Bedrohung 5,0 % 5,9 % Faktor 1,2

1 In dieser Zeile liegen die Männer höher. Das ist kein Ausreißer und kein Tippfehler, dazu Abschnitt 3.

Wer hier aufhört zu lesen, kommt zu dem Schluss, dass es keinen nennenswerten Unterschied gibt. Die Studie stellt die nächste Frage.

Zweite Frage: Wie oft passiert es?

Vorfälle je 1.000 Personen in fünf Jahren
Form der psychischen Gewalt Männer Frauen Unterschied
Emotionale Gewalt 1.366 2.183 Faktor 1,6
Kontrollierende Gewalt 679 948 Faktor 1,4
Ökonomische Gewalt 287 676 Faktor 2,4
Bedrohung 375 563 Faktor 1,5

Auch bei der kontrollierenden Gewalt, in der eben noch die Männer vorn lagen, dreht sich das Bild. Zwar berichten mehr Männer davon, aber Frauen erleben sie häufiger. Die Studie schreibt es selbst so: Die Prävalenz liegt bei Männern um den Faktor 1,2 höher, bei der Zahl der Vorfälle ist es umgekehrt der Faktor 1,4 zulasten der Frauen.

Dritte Frage: Wie viel Angst dabei?

Empfundene Angst während der Tat, Mittelwert auf einer Skala von 1 bis 7
Form der psychischen Gewalt Männer Frauen Unterschied
Emotionale Gewalt 2,2 3,5 Faktor 1,6
Kontrollierende Gewalt 2,1 3,4 Faktor 1,6
Ökonomische Gewalt 2,4 3,4 Faktor 1,4
Bedrohung 4,0 5,0 Faktor 1,3

Die Balken bilden den Bereich der Skala von 1 bis 7 ab. Ein Balken ab null hätte aus „überhaupt keine Angst“ optisch ein Siebtel Angst gemacht.

Dieselbe Reihenfolge bei der Frage, wie schlimm das Erlebte bewertet wurde: 3,9 zu 4,9 bei emotionaler Gewalt, 3,4 zu 4,6 bei Kontrolle, 4,9 zu 5,7 bei Bedrohung.

Auffällig ist die letzte Zeile. Bedrohung ist die Form, bei der beide Geschlechter mit Abstand die höchsten Angstwerte angeben, und bei der sie einander am nächsten sind. Wo es konkret wird, verschwindet der Unterschied.

Der Kernbefund, in den Worten der Studie: Frauen und Männer sind in der Fünfjahresbetrachtung ähnlich häufig betroffen. Weibliche Betroffene weisen aber eine deutlich höhere Zahl von Vorfällen und eine höhere Schwere auf. Sie erleben mehr Formen nebeneinander, empfinden mehr Angst und bewerten die Situationen als schlimmer.

Wer wissen will, wie verbreitet mentale Gewalt ist, bekommt zwei fast gleiche Zahlen. Wer wissen will, wie schwer sie wiegt, bekommt zwei verschiedene Antworten.

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Die Zeilen, in denen Männer vorne liegen

Sie gehören hierher, weil sie in derselben Studie stehen. Ein Text, der nur eine Hälfte zeigt, wäre eine Kampagne und keine Einordnung.

Was die Zahlen sagen

  • Kontrollierende Gewalt, fünf Jahre: 8,7 Prozent der Männer gegenüber 7,1 Prozent der Frauen.
  • Körperliche Gewalt in der Partnerschaft, fünf Jahre: 6,1 gegenüber 5,2 Prozent.
  • Falschbeschuldigung: 1,4 gegenüber 0,9 Prozent.
  • Bei psychischer Gewalt insgesamt ist der Abstand über fünf Jahre statistisch kaum von null zu unterscheiden.
  • Eine Ulmer Bevölkerungsstudie kommt über das ganze Leben auf 48,0 Prozent der Männer und 53,6 Prozent der Frauen. Das ist die kleinste Lücke aller Gewaltformen.

Was sie nicht sagen

  • Bei derselben kontrollierenden Gewalt liegt die Zahl der Vorfälle bei Frauen um den Faktor 1,4 höher.
  • Die Angst dabei liegt bei 2,1 gegenüber 3,4, die bewertete Schwere bei 3,4 gegenüber 4,6.
  • Über die Lebenszeit kehrt sich der Vorsprung um: 14,9 gegenüber 18,1 Prozent bei Kontrolle, 14,0 gegenüber 18,0 Prozent bei körperlicher Gewalt.
  • Die Ulmer Studie hält fest: Bei Beleidigungen antworten beide fast gleich häufig, bei Androhung körperlicher Schäden liegen Frauen deutlich vorn. Die Gleichheit gilt für die leichteren Fragen.
  • Im Hellfeld sieht es anders aus: 2024 waren von 171.069 polizeilich erfassten Opfern von Partnerschaftsgewalt 79,3 Prozent weiblich. 132 Frauen und 24 Männer wurden von Partnern getötet.

Beide Spalten sind wahr. Sie messen nur nicht dasselbe. Die linke misst, wie viele Menschen etwas erlebt haben. Die rechte misst, wie oft, wie lange und mit welcher Wirkung.

Für die Person, die es gerade erlebt, ist die linke Spalte die wichtigere: Sie sagt, dass es sie gibt, in beiden Richtungen, und zwar nicht selten. Für die Frage, wo ein Hilfesystem Betten braucht, ist die rechte die wichtigere.

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Auch Männer werden Opfer

Fast jeder vierte Mann hat in den letzten fünf Jahren psychische Gewalt durch eine Partnerin oder einen Partner erlebt, beinahe so viele wie bei den Frauen. Wer als Mann so etwas erlebt, gehört zu einer großen Gruppe, über die kaum jemand spricht.

Bundeskriminalamt, Bundeslagebild Häusliche Gewalt 2024. BFKM, Nutzungsstatistik der Männerschutzeinrichtungen 2024.

  • Im Hellfeld: Von 265.942 polizeilich erfassten Opfern häuslicher Gewalt waren 2024 rund 78.800 Männer, knapp 30 Prozent. Bei Gewalt in der Partnerschaft ist etwa jedes fünfte Opfer ein Mann.
  • In den Schutzeinrichtungen: 751 Männer suchten 2024 dort Hilfe. 88 Prozent von ihnen hatten psychische Gewalt erlebt. Im Schnitt blieben sie zwei Jahre in der Beziehung, bevor sie sich meldeten.
  • Bei der Polizei: In einer Pilotstudie des Familienministeriums hatte keiner der Männer, die Gewalt durch ihre Partnerin erlebt hatten, die Polizei gerufen.

Warum Männer so selten Hilfe suchen

Die Gründe, die Beratungsstellen nennen, ähneln sich: Scham, die Sorge, nicht ernst genommen zu werden, und ein Bild von Männlichkeit, in dem ein Mann nicht Opfer seiner Partnerin sein kann. Viele spielen deshalb herunter, was passiert. Sie nennen es Streit, Laune oder „ihre Art“.

Dazu kommt ein praktisches Problem. Wer Hilfe sucht, findet wenig: ein Hilfetelefon zu Sprechzeiten und Schutzwohnungen in sechs von sechzehn Bundesländern. Abschnitt 10 zeigt die Zahlen.

Wenn Sie ein Mann sind und das hier wiedererkennen: Sie dürfen es Gewalt nennen. Kontrolle, Drohungen und ständige Abwertung sind Gewalt, egal wer sie ausübt und wer sie erlebt.

Das Hilfetelefon Gewalt an Männern berät unter 0800 123 99 00 kostenlos und anonym, Montag bis Donnerstag von 8 bis 20 Uhr und Freitag von 8 bis 15 Uhr. Einen Sofort-Chat ohne Anmeldung gibt es Montag bis Donnerstag von 12 bis 15 und von 17 bis 19 Uhr auf maennerhilfetelefon.de.

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Warum jede Seite eine Statistik hat, die ihr recht gibt

Es liegt selten am bösen Willen. Es liegt daran, dass zwei Arten von Erhebungen zwei verschiedene Dinge einfangen.

Was die beiden Quellenarten sehen
  Polizeistatistik Bevölkerungsbefragung
Erfasst angezeigte Fälle Selbstauskunft, auch ohne Anzeige
Zeigt deutliche Mehrheit weiblicher Opfer bei psychischer Gewalt fast gleiche Anteile
Blind für alles Nichtangezeigte, über 95 Prozent was niemand erzählt oder anders benennt
Stark bei schwerer, eskalierter Gewalt alltäglicher, beidseitiger Gewalt

Johnson, M. P. (2008): A Typology of Domestic Violence. Northeastern University Press.

Der Soziologe Michael P. Johnson hat daraus eine Erklärung gebaut, die seit Jahrzehnten Bestand hat. Er unterscheidet situative Paargewalt, die aus Konflikten entsteht und weitgehend geschlechtsunabhängig auftritt, von Zwangskontrolle, bei der eine Person die andere systematisch beherrscht. Bevölkerungsbefragungen fangen überwiegend die erste Form ein, Frauenhäuser, Polizei und Gerichte überwiegend die zweite. Beide Datenquellen haben recht, sie beschreiben verschiedene Dinge.

Dazu kommt ein Messproblem, das die Ulmer Studie selbst benennt: Die Schwelle für psychische Gewalt ist in Befragungen oft niedrig. Wird nach Beleidigungen oder Demütigungen ohne nähere Bestimmung gefragt, bejaht das fast jeder Mensch, der je in einer Beziehung war. Die hohen Zahlen sind deshalb weniger dramatisch, als sie klingen, und die Unterschiede dahinter wichtiger, als sie aussehen.

Die ehrliche Antwort lautet nicht: Frauen sind schlimmer dran. Sie lautet: Es kommt darauf an, was man zählt.

Sätze, die keine Grundlage haben

  • Männer können keine Opfer sein.
  • Frauen sind die wahren Täter.
  • Ohne blaue Flecken ist es keine Gewalt.
  • Da sind immer beide schuld.

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Vier Formen, die die Studie unterscheidet

Sie treten selten einzeln auf. Wer eine erlebt, erlebt meistens auch eine zweite. Die Prozentwerte nennen die Betroffenen in fünf Jahren, zuerst Männer, dann Frauen.

Emotionale Gewalt

17,9 % · 20,2 %

Die häufigste Form und die, bei der die Grenze zum Streit am schwersten zu ziehen ist.

Beleidigen, herabsetzen, vor anderen bloßstellen · Anschreien, um Nachgeben zu erzwingen · Einschüchtern ohne konkrete Drohung · Schweigen als Strafe, bis die andere Person einlenkt

Bedrohung

5,0 % · 5,9 %

Die Form mit der größten Wirkung. Sie geht körperlicher Gewalt oft voraus, und beide Geschlechter geben hier die höchsten Angstwerte an.

Androhen, zu verletzen oder zu töten · Androhen, wegzunehmen, was wichtig ist · Drohungen gegen Kinder, Angehörige oder Haustiere · Gegenstände zerstören, damit klar ist, was möglich wäre

Kontrollierende Gewalt

8,7 % · 7,1 %

Die Form, die Evan Stark als Freiheitsdelikt beschreibt. Von außen am schwersten zu sehen, und die einzige, bei der die Männer in der Fünfjahresbetrachtung vorn liegen.

Darauf bestehen, jederzeit zu wissen, wo die andere Person ist · Kontakte zu Freunden und Familie erschweren · Nachrichten, Telefon oder Standort überwachen · Vorschreiben, was angezogen oder gearbeitet wird

Ökonomische Gewalt

5,5 % · 6,6 %

Die am wenigsten beachtete Form. Sie entscheidet oft darüber, ob jemand gehen kann.

Das eigene Geld verwalten lassen müssen · Vom eigenen Einkommen den Alltag zahlen, während die andere Person für sich kauft · Arbeit verhindern oder den Arbeitsplatz sabotieren · Schulden im Namen der anderen Person aufnehmen

Angezeigt werden 1,2 Prozent der Fälle emotionaler Gewalt an Männern und 1,3 Prozent an Frauen. Bei kontrollierender Gewalt sind es 1,1 Prozent bei beiden.

Angezeigt wird davon fast nichts. Von tausend Vorfällen emotionaler Gewalt werden dreizehn polizeilich bekannt. Was in Kriminalstatistiken steht, ist der Rand.

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Wenn das Handy mitliest

Kontrolle braucht heute oft kein Gespräch mehr. Wer den Standort sieht, Nachrichten mitliest oder die Passwörter kennt, weiß Bescheid, ohne zu fragen. Die Dunkelfeldstudie fasst das als digitale Gewalt zusammen. In einer Partnerschaft haben sie in den letzten fünf Jahren 5,6 Prozent der Frauen und 3,9 Prozent der Männer erlebt.

LeSuBiA, Kapitel 4.4. Digitale Gewalt im weiteren Sinne schließt psychische Gewalt, Belästigung und Stalking ein, wenn sie (auch) digital geschehen.

Beim Blick auf die Häufigkeit zeigt sich dasselbe Bild wie bei der psychischen Gewalt insgesamt. Rein digitale Übergriffe durch eine Partnerin oder einen Partner berichten 0,7 Prozent der Frauen und 0,4 Prozent der Männer. Auf 1.000 Frauen kommen dabei aber 34 Vorfälle, auf 1.000 Männer 15.

  • Was dazugehört: Ortung und Überwachung über Handy oder Computer, Mitlesen von Nachrichten und Konten, Auftreten unter fremdem Namen mit fremdem Passwort, Weitergabe intimer Bilder, Drohungen per Nachricht. Auch vernetzte Geräte im Haushalt lassen sich missbrauchen, etwa Rollläden, die nachts hoch- und herunterfahren.
  • Männer: Rein digitale Gewalt erleben insgesamt sogar mehr Männer als Frauen, 7,1 gegenüber 5,1 Prozent in fünf Jahren. Sie kommt bei ihnen meist von Fremden. Frauen nennen deutlich häufiger den Partner oder Ex-Partner als Täter, 20,6 gegenüber 8,6 Prozent.
  • Angezeigt werden 2,4 Prozent der Fälle bei Frauen und 0,9 Prozent bei Männern.

Was das Recht dazu sagt

Wer heimlich auf fremde Daten zugreift oder Bilder einer Person verbreitet, um ihr nachzustellen, macht sich nach § 238 StGB strafbar. Setzt jemand dafür ein Programm ein, dessen Zweck das digitale Ausspähen anderer ist, wertet das Gesetz das als besonders schweren Fall. Wer Aufnahmen aus dem höchstpersönlichen Lebensbereich ohne Befugnis weitergibt, verstößt gegen § 201a StGB, auch wenn die Aufnahme einmal mit Einverständnis entstanden ist.

Bevor Sie Apps löschen, Freigaben beenden oder Passwörter ändern, lassen Sie sich beraten. Die andere Person kann solche Änderungen bemerken, und Sie verlieren unter Umständen Beweise. Beide Hilfetelefone beraten ausdrücklich auch zu digitaler Gewalt. Wie Sie diese Seite besuchen, ohne Spuren zu hinterlassen, steht im Hilfeteil.

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Was psychische Gewalt mit der Gesundheit macht

Psychische Gewalt hinterlässt Spuren, auch ohne blaue Flecken. Eine Übersichtsarbeit über 58 Studien fand die engsten Zusammenhänge zwischen Gewalt in der Partnerschaft und drei Erkrankungen: Depression, posttraumatische Belastungsstörung und Angststörungen. Das Autorenteam schreibt, die psychische Form wirke stärker als lange angenommen.

Lagdon u. a. (2014), 58 Studien. Dokkedahl u. a. (2022), Metaanalyse über 194 Studien.

Eine spätere Metaanalyse kommt zum selben Ergebnis und findet den stärksten Zusammenhang bei der Belastungsstörung. Sie mahnt aber zur Vorsicht: Die meisten Studien messen zu einem einzigen Zeitpunkt. Ob die Gewalt die Erkrankung auslöst, lässt sich damit nicht beweisen.

Woran man es merken kann

  • Schlaf und Körper: Ein- und Durchschlafstörungen, Kopfschmerzen, Rücken- und Bauchschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden ohne klaren Befund.
  • Stimmung und Denken: anhaltende Niedergeschlagenheit, ständige Anspannung, Grübeln, das Gefühl, nichts mehr richtig zu machen.
  • Selbstbild: ein Selbstwertgefühl, das sich Stück für Stück verschiebt, bis die Abwertung wie die eigene Meinung klingt.
  • Bewältigung: mehr Alkohol oder Medikamente, Essstörungen, Rückzug von Freunden und Familie.
  • Im schlimmsten Fall: Gedanken, sich selbst zu verletzen oder nicht mehr leben zu wollen. Dann ist sofort Hilfe dran, unter 112 oder bei der TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111.

Keines dieser Zeichen beweist für sich, dass jemand Gewalt erlebt. Zusammen mit einem Muster aus Kontrolle und Abwertung sind sie aber ein ernstes Signal. Wer sie an sich bemerkt, reagiert auf eine schwere Belastung, und dafür gibt es Hilfe.

Frauengesundheit

Für Frauen ist die Lage am besten untersucht. In der großen Studie des Familienministeriums von 2004 hatten 42 Prozent der befragten Frauen psychische Gewalt erlebt. Alle Gewaltformen führten in hohem Maß zu psychischen Folgen: Schlafstörungen, Ängste, ein geringeres Selbstwertgefühl, Depressionen, Selbstmordgedanken, Selbstverletzung und Essstörungen.

BMFSFJ, Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland, 2004. WHO, Fact Sheet Violence against women, 2026.

Die Weltgesundheitsorganisation nennt bei Frauen, die Gewalt erleben, außerdem chronische Schmerzen im Rücken, Bauch und Unterleib, Magen-Darm-Erkrankungen, Alkoholprobleme und Suizidversuche. Die neue BKA-Studie zeigt, dass Frauen bei Gewalt in der Partnerschaft häufiger verletzt werden, die Lebensgefahr höher einschätzen und mehr Angst haben.

Wo die Gewalt auch körperlich oder sexuell wird, sind die Folgen weltweit vermessen. Die WHO hat dafür 2013 Daten aus vielen Ländern ausgewertet. Frauen, die solche Gewalt durch einen Partner erlebt haben, erkranken fast doppelt so häufig an einer Depression und haben fast doppelt so häufig Alkoholprobleme. 42 Prozent von ihnen wurden dabei verletzt. Erwarten sie ein Kind, kommt es mit 16 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit mit zu niedrigem Geburtsgewicht zur Welt.

WHO, Global and regional estimates of violence against women, 2013.

Für viele Frauen ist die Hausärztin oder die Frauenärztin die erste Stelle, an der so etwas zur Sprache kommt, oft über ein körperliches Symptom. Es ist in Ordnung, dort zu sagen, was zu Hause passiert. Ärztinnen und Ärzte unterliegen der Schweigepflicht. Verletzungen und Spuren lassen sich außerdem vertraulich sichern, auch ohne Anzeige und ohne dass Sie sich heute schon entscheiden müssen. Wie das geht, steht in der Liste unten.

Männergesundheit

Über Männer weiß die Forschung deutlich weniger. In der Metaanalyse von 2022 untersuchten nur 3,4 Prozent der Studien ausschließlich Männer. Die vorhandenen Daten zeigen auch bei ihnen einen Zusammenhang zwischen psychischer Gewalt in der Partnerschaft und Belastungsstörung sowie Depression. Weil Männer seltener über Gewalt sprechen, erscheinen ihre Beschwerden in der Arztpraxis oft nur als Schlafproblem, Erschöpfung oder Rückenschmerz.

Wo es gesundheitliche Hilfe gibt

  • Psychotherapeutische Sprechstunde: ohne Überweisung, für gesetzlich Versicherte kostenfrei. Termine vermittelt die Terminservicestelle unter 116 117 oder auf eterminservice.de. Danach ist eine Akutbehandlung mit bis zu zwölf Sitzungen ohne Antrag möglich.
  • Sozialpsychiatrischer Dienst beim Gesundheitsamt: kostenlos und vertraulich, hilft in Krisen, macht Hausbesuche und berät auch Angehörige.
  • Gewaltambulanzen der Rechtsmedizin: Sie untersuchen Verletzungen kostenlos und dokumentieren sie so, dass die Befunde später vor Gericht zählen. In Heidelberg etwa geht das ausdrücklich auch ohne Anzeige. Die Ambulanzen sind für alle Geschlechter da, es gibt sie aber nicht in jeder Stadt. Fragen Sie in der nächsten Klinik oder bei einer Beratungsstelle nach der nächstgelegenen.
  • Vertrauliche Spurensicherung: Nach einer Misshandlung oder sexueller Gewalt bezahlt die gesetzliche Krankenkasse die Sicherung von Spuren am Körper, die Dokumentation, Laboruntersuchungen und die Aufbewahrung der Befunde. Die Abrechnung läuft anonym. Welche Kliniken das anbieten, regelt jedes Bundesland in eigenen Verträgen.
  • Ärztlicher Bereitschaftsdienst: nachts und am Wochenende unter 116 117. Bei Lebensgefahr gilt die 112.

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Fünf Fragen zur eigenen Lage

Am Ende steht keine Diagnose, sondern eine Einordnung: Sieht das nach Konflikt aus, nach einem Muster oder nach Kontrolle? Die Antworten bleiben im Browser, sie werden weder gespeichert noch gesendet.

Der Fragebogen fragt nicht nach dem Geschlecht, weil er es nicht braucht. Kein Befund dieses Textes ändert sich dadurch.

Frage 1 von 5

Frage 1 Wie oft passiert das, worum es Ihnen geht?
Frage 2 Was beendet es?
Frage 3 Wie frei entscheiden Sie über Kontakte, Wege und Geld?
Frage 4 Wie geht es Ihnen währenddessen?
Frage 5 Gab es Drohungen, oder ist etwas zu Schaden gekommen?

Ohne aktiviertes JavaScript stehen alle fünf Fragen untereinander. Die Auswertung erscheint dann nicht.

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Wo die Lücke wirklich groß ist

Bei der Zahl der Betroffenen trennt Frauen und Männer ein halber Prozentpunkt. Bei den Schutzplätzen trennt sie der Faktor 140.

Schutzplätze in Deutschland, 2024
  Für Frauen Für Männer
Einrichtungen bundesweit rund 400 17
Plätze rund 7.700 55
In wie vielen Bundesländern 16 6
Hilfetelefon erreichbar rund um die Uhr zu Sprechzeiten

751 Männer haben sich 2024 an eine Schutzeinrichtung gewandt, 126 bekamen einen Platz, 256 wurden mangels Platz abgewiesen. Die Zahl der Abweisungen hat sich gegenüber 2023 fast verdoppelt.

Daraus folgt nicht, dass Frauenhäuser zu viel hätten. Ihnen fehlen nach der Istanbul-Konvention selbst rund 13.000 Plätze, und täglich müssen sie Schutzsuchende abweisen. Das Gewalthilfegesetz sieht einen Rechtsanspruch auf einen Schutzplatz ab 2032 vor.

Zwei Systeme sind unterversorgt. Das eine ist unterversorgt, das andere existiert in zehn Bundesländern nicht.

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Es gibt keinen Paragrafen dafür

Das deutsche Strafrecht kennt keinen eigenen Tatbestand für psychische Gewalt. Je nach Fall greifen Nötigung, Bedrohung, Nachstellung oder Beleidigung. Was keine dieser Normen erfasst, ist das Muster als Ganzes, also genau das, was Zwangskontrolle ausmacht.

Deutscher Juristinnenbund, Policy Paper Psychische Gewalt, 10. März 2026.

Artikel 33 der Istanbul-Konvention verpflichtet Deutschland dazu, vorsätzliche psychische Gewalt unter Strafe zu stellen. Der Deutsche Juristinnenbund hat im März 2026 festgestellt, dass diese Verpflichtung nicht erfüllt ist. In England und Wales ist controlling or coercive behaviour seit 2015 ein eigener Straftatbestand.

Für die Frage, ob Ihnen gerade jemand schadet, ist das nebensächlich. Für die Frage, ob Sie damit zur Polizei gehen können, nicht.

  • Auch ohne Strafanzeige: Das Gewaltschutzgesetz erlaubt zivilrechtliche Anordnungen: Kontaktverbot, Näherungsverbot, Wohnungszuweisung.
  • Was Beratungsstellen leisten: Einschätzung der Gefährdung, Begleitung zu Behörden, Hilfe beim Dokumentieren. Kostenfrei, meist ohne Wartezeit für ein Erstgespräch.
  • Was Sie selbst tun können: Mitschreiben. Datum, Uhrzeit, Wortlaut. Das ist später kaum nachzuholen und in jedem Verfahren die halbe Miete.

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Wo es Hilfe gibt

Für ein Erstgespräch braucht es keine Anzeige, keinen Nachweis und keine Entscheidung. Sie müssen auch nicht sicher sein, dass es schlimm genug ist. Genau diese Frage ist es, wofür Beratungsstellen da sind.

Wenn Drohungen im Spiel sind oder Sie Angst vor dem nächsten Aufeinandertreffen haben, geht es um Schutz und nicht um Beziehungsarbeit. Ein klärendes Gespräch bringt Sie dann in genau die Situation, aus der Sie heraus wollen.

  • In akuter Gefahr 110
  • Rund um die Uhr, alle Geschlechter · TelefonSeelsorge 0800 111 0 111
  • Rund um die Uhr, für Frauen · Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen 116 016
  • Mo–Do 8–20 Uhr, Fr 8–15 Uhr, für Männer · Hilfetelefon Gewalt an Männern 0800 123 99 00
  • Täglich 7–22 Uhr, für alle Opfer von Straftaten · Weisser Ring 116 006
  • Bei Gedanken an Suizid oder Lebensgefahr · Notruf 112

Beide Hilfetelefone beraten zusätzlich per Chat und E-Mail. Beratungsstellen vor Ort finden Sie über Ihre Stadt oder Ihren Landkreis; ein Erstgespräch kostet dort meistens nichts.

Diese Seite ohne Spuren besuchen

Wenn jemand Ihr Handy oder Ihren Computer kontrolliert, kann schon der Besuch dieser Seite auffallen. Das Hilfetelefon empfiehlt:

  • Privates Fenster: Im privaten Modus, auf dem iPhone „Privates Surfen“, zeichnet der Browser keinen Verlauf auf.
  • Verlauf und Cache löschen, über die Einstellungen des Browsers, falls Sie ohne privates Fenster gesurft haben.
  • Ein anderes Gerät: bei einer Vertrauensperson, am Arbeitsplatz oder an einem öffentlichen Ort. Auch dort danach den Verlauf löschen.

Das Hilfetelefon weist selbst darauf hin, dass sich Spuren so nicht in jedem Fall vollständig verwischen lassen. Ist auf dem Gerät eine Überwachungs-App installiert, hilft ein privates Fenster nicht.

Was Sie als Nächstes tun können

  1. Mit jemandem sprechen, der sich auskennt. Ein Anruf bei einem Hilfetelefon verpflichtet zu nichts. Sie müssen keinen Namen nennen und keine Entscheidung mitbringen.
  2. Aufschreiben, was passiert. Datum, Uhrzeit, Wortlaut, Zeugen. Bewahren Sie die Notizen und Nachrichten so auf, dass die andere Person nicht darauf zugreifen kann.
  3. Die eigene Gesundheit ernst nehmen. Schlafstörungen, Ängste oder Niedergeschlagenheit sind ein Grund für einen Arzttermin. Die psychotherapeutische Sprechstunde braucht keine Überweisung, Termine vermittelt die 116 117.
  4. Einen Plan für den Ernstfall haben. Wichtige Dokumente, etwas Geld, Schlüssel und Telefonnummern an einem Ort, den Sie schnell erreichen. Eine Person, bei der Sie unterkommen können.
  5. Den rechtlichen Schutz kennen. Das Familiengericht kann auf Antrag Kontakt- und Näherungsverbote aussprechen, auch bei Drohungen und Nachstellung, nicht nur bei körperlicher Gewalt. Die gemeinsame Wohnung können Sie für sich allein verlangen, wenn Sie das innerhalb von drei Monaten schriftlich fordern.

Wenn es jemandem in Ihrer Nähe so geht

Zuhören hilft mehr als ein Urteil über die Partnerin oder den Partner. Wer in einer solchen Beziehung lebt, verteidigt sie oft, und Druck führt eher dazu, dass er oder sie sich zurückzieht. Bleiben Sie erreichbar, auch wenn Ihr Rat nicht angenommen wird. Die Hilfetelefone beraten auch Angehörige, ebenso der Sozialpsychiatrische Dienst beim Gesundheitsamt.

Ob mentale Gewalt häufiger Frauen oder Männer trifft, ist eine Frage an die Statistik. Ob sie Sie trifft, ist keine. Dafür zählt, was sich wiederholt, wozu es dient und was es mit Ihnen macht.

  1. Wofür habe ich diese Woche um Erlaubnis gefragt?
  2. Was habe ich nicht erzählt, weil ich die Reaktion kenne?
  3. Wem habe ich das alles noch nie am Stück erzählt?

Häufige Fragen

Trifft psychische Gewalt Frauen und Männer gleich oft?

Über fünf Jahre gerechnet fast: 23,8 Prozent der Frauen und 23,3 Prozent der Männer berichten von psychischer Gewalt in einer (Ex-)Partnerschaft. Über das ganze Leben gerechnet geht die Schere auseinander, 48,7 zu 40,0 Prozent. Gleich häufig heißt aber nicht gleich schwer: Frauen erleben mehr Vorfälle pro Person, haben dabei mehr Angst und bewerten das Erlebte als schlimmer.

Was ist psychische Gewalt überhaupt?

Die Istanbul-Konvention meint damit ein vorsätzliches Verhalten, das die psychische Unversehrtheit einer Person durch Nötigung oder Drohung ernsthaft beeinträchtigt. Zwei Bestandteile ziehen die Grenze zum Streit: ein Muster über einen Zeitraum statt eines einzelnen Vorfalls, und der Zweck, jemanden zu etwas zu bringen.

Ist das dasselbe wie eine toxische Beziehung?

Meistens ist dasselbe gemeint, nur unschärfer gesagt. „Toxisch“ ist kein Fachbegriff: Er hat keine Definition, keine Schwelle und keine Forschungsgrundlage, und er bewertet eine Beziehung als Ganzes statt ein bestimmtes Verhalten. Deshalb lässt sich mit ihm auch nichts zählen: Es gibt keine Statistik zu toxischen Beziehungen, wohl aber zu psychischer Gewalt in Partnerschaften. Der Fragebogen in Abschnitt 9 stellt die drei Fragen, die den Unterschied ausmachen: wiederholt es sich, wozu dient es, und was macht es mit Ihnen?

Sind Frauen genauso oft Täterinnen wie Männer?

Für psychische Gewalt liegen die Angaben nah beieinander, und die Datenlage widerspricht sich. In einer Ulmer Bevölkerungsstudie gaben Männer häufiger an, Paargewalt ausgeübt zu haben, in einer früheren RKI-Erhebung Frauen. Beides beruht auf Selbstauskunft, und gewaltfreies Verhalten gilt als sozial erwünscht. Belastbar ist etwas anderes: Psychische Gewalt in Partnerschaften ist weitgehend wechselseitig. Wer sie erlebt, gibt häufig auch an, sie auszuüben.

Gibt es Bereiche, in denen Männer häufiger betroffen sind?

Ja. In der Fünfjahresbetrachtung berichten Männer häufiger von kontrollierender Gewalt als Frauen, 8,7 gegenüber 7,1 Prozent, und häufiger von körperlicher Gewalt in der Partnerschaft, 6,1 gegenüber 5,2 Prozent. Bei beiden Formen liegt die Zahl der Vorfälle pro betroffener Person bei Frauen dennoch höher, ebenso die empfundene Angst.

Warum widersprechen sich die Statistiken zu häuslicher Gewalt?

Weil sie Unterschiedliches messen. Polizeistatistiken erfassen angezeigte Fälle, und bei Partnerschaftsgewalt werden weniger als fünf Prozent angezeigt. Bevölkerungsbefragungen erfassen auch das Nichtangezeigte, dafür beruhen sie auf Erinnerung und Selbstauskunft. Michael P. Johnson hat gezeigt, dass beide Quellen systematisch verschiedene Gewaltarten einfangen: Befragungen vor allem situative Paargewalt, Polizei und Schutzeinrichtungen vor allem Zwangskontrolle.

Ist psychische Gewalt in Deutschland strafbar?

Nicht als eigener Tatbestand. Je nach Fall greifen Nötigung, Bedrohung, Nachstellung oder Beleidigung. Das Muster als Ganzes erfasst keine dieser Normen. Artikel 33 der Istanbul-Konvention verpflichtet Deutschland zur Strafbarkeit vorsätzlicher psychischer Gewalt; der Deutsche Juristinnenbund stellte im März 2026 fest, dass diese Verpflichtung nicht erfüllt ist. Unabhängig davon erlaubt das Gewaltschutzgesetz zivilrechtliche Kontakt- und Näherungsverbote.

Wo finden betroffene Männer Hilfe?

Beim Hilfetelefon Gewalt an Männern unter 0800 123 99 00, montags bis donnerstags von 8 bis 20 Uhr und freitags von 8 bis 15 Uhr, dazu Chat- und E-Mail-Beratung. Schutzwohnungen für Männer gibt es 2024 bundesweit 17 mit 55 Plätzen in sechs Bundesländern. Nachts sind die TelefonSeelsorge und die 110 erreichbar.

Können auch Männer Opfer psychischer Gewalt werden?

Ja, und zwar fast genauso oft wie Frauen. In der Dunkelfeldstudie des Bundeskriminalamts berichten 23,3 Prozent der Männer von psychischer Gewalt durch eine Partnerin oder einen Partner in den letzten fünf Jahren. Männer suchen deutlich seltener Hilfe, oft aus Scham oder aus Sorge, nicht ernst genommen zu werden. Das Hilfetelefon Gewalt an Männern berät unter 0800 123 99 00.

Was ist digitale Gewalt in der Partnerschaft?

Kontrolle und Druck über Handy, Computer und Internet: Ortung, Mitlesen von Nachrichten, Zugriff auf Konten, Weitergabe intimer Bilder oder Drohungen per Nachricht. In einer Partnerschaft haben sie in den letzten fünf Jahren 5,6 Prozent der Frauen und 3,9 Prozent der Männer erlebt. Wer dafür heimlich eine Überwachungs-App einsetzt, begeht nach § 238 StGB einen besonders schweren Fall der Nachstellung.

Welche gesundheitlichen Folgen hat psychische Gewalt?

Am besten belegt sind Depression, posttraumatische Belastungsstörung und Angststörungen. Häufig sind außerdem Schlafstörungen, ein sinkendes Selbstwertgefühl, Kopf-, Rücken- und Bauchschmerzen, Essstörungen, mehr Alkohol und Gedanken an Suizid. Bei Frauen ist das gut untersucht, bei Männern weniger. Auch bei ihnen zeigt sich ein Zusammenhang mit Belastungsstörung und Depression.

Kann ich Verletzungen dokumentieren lassen, ohne Anzeige zu erstatten?

Ja. Gewaltambulanzen der Rechtsmedizin untersuchen kostenlos und dokumentieren Verletzungen so, dass die Befunde später vor Gericht verwendet werden können. Nach einer Misshandlung oder sexueller Gewalt bezahlt die gesetzliche Krankenkasse außerdem die vertrauliche Spurensicherung am Körper, abgerechnet wird anonym. Die Entscheidung über eine Anzeige können Sie später treffen. Welche Kliniken teilnehmen, regelt jedes Bundesland selbst.

Wie bekomme ich schnell psychotherapeutische Hilfe?

Über die psychotherapeutische Sprechstunde. Sie braucht keine Überweisung, Termine vermittelt die Terminservicestelle unter 116 117 oder auf eterminservice.de. Danach ist eine Akutbehandlung mit bis zu zwölf Sitzungen ohne Antrag bei der Krankenkasse möglich. In einer akuten Krise gilt die 112, rund um die Uhr erreichbar ist auch die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111.

Ist dieser Text parteiisch?

Er zeigt die Zahlen, die beide Lager gern zitieren, und dazu die, die sie gern weglassen. Dass Männer bei kontrollierender Gewalt häufiger betroffen sind, steht hier genauso wie die Tatsache, dass 2024 in Deutschland 132 Frauen und 24 Männer von Partnern getötet wurden. Beides stammt aus amtlichen Quellen.

Warum es diese Seite gibt

Ich habe selbst psychische Gewalt in einer Partnerschaft erlebt. Mit dieser Seite möchte ich aufklären: darüber, was psychische Gewalt ist, und darüber, wo Betroffene Hilfe finden.

Meine eigene Geschichte erzähle ich hier bewusst nicht. Ein einzelner Fall sagt nichts darüber, wie häufig etwas vorkommt oder wen es trifft, und aus meinem soll niemand auf seinen eigenen schließen. Deshalb steht hinter jeder Zahl auf dieser Seite eine Quelle, und die Zahlen beider Seiten der Debatte stehen nebeneinander.

Wenn Sie beim Lesen etwas aus Ihrem eigenen Leben wiedererkennen, wenden Sie sich an eine der Stellen im Abschnitt Wo es Hilfe gibt. Für ein erstes Gespräch dort braucht es keine Anzeige und keine Entscheidung.

Quellen

Alle Zahlen stammen aus amtlichen Erhebungen oder aus begutachteter Forschung. Wo Quellen sich widersprechen, steht der Widerspruch im Text.

  1. Bundeskriminalamt (2026). Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA). Dunkelfeldstudie zur Gewaltbetroffenheit in Deutschland. Rund 15.000 Befragte, Erhebung Juli 2023 bis Januar 2025. Quelle der Anteils-, Häufigkeits-, Angst- und Anzeigewerte. Zur Veröffentlichung
  2. Bundeskriminalamt (2025). Bundeslagebild Häusliche Gewalt 2024. Hellfeld, also polizeilich erfasste Fälle. Quelle der Opfer- und Tötungszahlen. Zum Lagebild
  3. Jud, A., Fegert, J. M. u. a. (2022). Paargewalt in Deutschland – Häufigkeit erlebter und ausgeübter Gewalt sowie Miterleben in der Kindheit. Universitätsklinikum Ulm, repräsentative Stichprobe von 2.503 Personen. Zum Ergebnisbericht
  4. Johnson, M. P. (2008). A Typology of Domestic Violence: Intimate Terrorism, Violent Resistance, and Situational Couple Violence. Northeastern University Press.
  5. Stark, E. (2007). Coercive Control: How Men Entrap Women in Personal Life. Oxford University Press.
  6. Europarat (2011). Istanbul-Konvention, Artikel 33 samt Erläuterndem Bericht. Zur Konvention
  7. Deutscher Juristinnenbund (2026). Policy Paper Psychische Gewalt, st26-05, 10. März 2026. Zur Stellungnahme
  8. Bundesforum Männer / BFKM (2025). Nutzungsstatistik der Männerschutzeinrichtungen 2024. Zur Statistik
  9. Frauenhauskoordinierung e. V. Bundesweite Frauenhaus-Statistik. Zur Statistik
  10. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2004). Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland. Universität Bielefeld und infas. Quelle der gesundheitlichen Folgen bei Frauen. Zur Studie
  11. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2004). Gewalt gegen Männer in Deutschland. Pilotstudie, Kurzfassung. 266 Interviews. Zur Kurzfassung
  12. Weltgesundheitsorganisation (2026). Violence against women. Fact sheet. Zum Fact Sheet
  13. Lagdon, S., Armour, C., Stringer, M. (2014). Adult experience of mental health outcomes as a result of intimate partner violence victimisation: a systematic review. European Journal of Psychotraumatology 5. Zur Studie
  14. Dokkedahl, S. B. u. a. (2022). The psychological subtype of intimate partner violence and its effect on mental health: a systematic review with meta-analyses. Systematic Reviews 11, 163. Zur Studie
  15. Kassenärztliche Bundesvereinigung. 116117 – Psychotherapie: Sprechstunde, Akutbehandlung, Terminservice. Zur Übersicht
  16. Gesetz zum zivilrechtlichen Schutz vor Gewalttaten und Nachstellungen (Gewaltschutzgesetz). Zum Gesetz
  17. Strafgesetzbuch, § 238 Nachstellung und § 201a Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen. Zu § 238 · Zu § 201a
  18. Weltgesundheitsorganisation (2013). Global and regional estimates of violence against women: prevalence and health effects of intimate partner violence and non-partner sexual violence. Zur Zusammenfassung
  19. Fünftes Buch Sozialgesetzbuch, § 27 Krankenbehandlung und § 132k Vertrauliche Spurensicherung. Zu § 27 · Zu § 132k
  20. Senatsverwaltung für Justiz Berlin (2024). Gewaltschutzambulanz der Charité: kostenlose rechtsmedizinische Untersuchung und gerichtsfeste Dokumentation. Zur Mitteilung
  21. Universitätsklinikum Heidelberg. Gewaltambulanz: Untersuchung auch ohne Anzeige. Zum Eintrag
  22. Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen. Seite anonym besuchen. Quelle der Hinweise zum Surfen ohne Spuren. Zur Seite

Zu den beiden Begriffen: Wie viele betroffen sind, heißt in der Forschung Prävalenz. Wie viele Vorfälle auf 1.000 Menschen kommen, heißt Inzidenz. Die beiden zu verwechseln ist der häufigste Fehler in dieser Debatte – und der folgenreichste.

Einzelne Studien sind keine Beweise, und keine dieser Untersuchungen kennt Ihre Lage. Sie zeigen Tendenzen über viele Menschen hinweg. Dieser Text ordnet ein; er ersetzt keine Beratung, keine Therapie und keine Rechtsberatung.